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Ist der eSport-Zug für große Sportclubs schon abgefahren?

Wettkampf im eSport

eSports boomt. Nicht erst seit Kurzem, sondern schon seit Jahren. Der Trend scheint unaufhaltbar zu sein und auch der Besuch der Kanzlerin auf der letzten Gamescom Spielemesse zeigt, welch große Aufmerksamkeit der Branche auch seitens der Politik und der Öffentlichkeit zukommt. Dies ist auch gut so, denn bereits heute, im Jahr 2018, hat das eSport Marktvolumen in Deutschland die 90 Millionen Euro Marke knacken können. 2020 könnten es laut eines Berichts von Deloitte bereits mehr als 130 Millionen Euro sein. Grund genug für die großen Sportvereine aus Fußball und anderen Sportarten, auf den eSport-Zug aufzuspringen. Doch haben sie überhaupt noch eine Chance, sich in einer fest etablierten und über Jahre gewachsenen Szene einen Namen zu machen? Schließlich sind die meisten Pro-Gamer auch heute noch Eigengewächse, die aus dem heimischen Computerzimmer heraus in die Weltelite aufgestiegen sind – da haben die Vereine nur wenig Einfluss… oder?

ESport Teams der etablierten Sportvereine

Wenn man an professionelle Vereine denkt, die eSport Squads gründen, denkt man häufig an Fußballclubs und die logische Verbindung zum digitalen Fußballspiel FIFA 18. Das stimmt in gewisser Hinsicht auch, denn schaut man sich an, welche Profi-Fußballvereine mittlerweile auch eigene eSport-Teams haben stellt man schnell fest, dass die Zahl an Profivereinen, die im eSport aktiv werden, ständig zunimmt. Derzeit gibt es unter anderem mit Schalke, Hertha BSC, Wolfsburg oder auch Leverkusen, Köln oder Frankfurt und Augsburg eine ganze Reine von Bundesligaclubs, die insbesondere im FIFA-Bereich aktiv sind. EA hat eigens dafür eine Virtuelle Bundesliga ins Leben gerufen, über die die Bundesliga-Fußballvereine die Chance haben, sich an der digitalen Version ihres Traditionssports zu versuchen, wie ran.de berichtete.

Es ist keineswegs so, dass sich die Bundesligavereine oder andere große Sportclubs ausschließlich auf ihre traditionelle Sportart im digitalen Bereich beschränken. Auch andere europäische Clubs sind längst auf den eSport-Zug aufgesprungen. So stellen auch Vereine wie Manchester City, AS Monaco oder der AS Rom eigene eSport-Squads. Dabei wird nicht nur virtueller Fußball gespielt, sondern auch andere Spiele aus dem eSport-Bereich. Schalke 04 zum Beispiel hat einen eigenen League of Legends Squad, der erst kürzlich wieder den Wiederaufstieg in die europäische LoL-Königsklasse, die EU LCS geschafft hat.

Die Topstars im eSport

Wenn man sich die Eliten des eSport in den beliebtesten Spielen wie Counter-Strike, League of Legends oder auch Dota 2, FIFA und Starcraft 2 anschaut, muss man zwischen alteingesessenen Profiteams der eSport-Szene in teambasierten Spielen und Einzelspieler-Spielen stark unterscheiden. So werden die klassischen eSport-Spiele CS:GO, League of Legends und Dota 2 klar von alteingesessenen Teams – klassischen Clans – dominiert. Das zeigt sich auch auf Wettportalen wie Betway, wo Teams wie Fnatic in LoL, oder Ninjas in Pyjamas in CS:GO klare Favoritenrollen einnehmen. Allerdings demonstriert der FC Schalke 04 auch eindrucksvoll, dass es auch anders geht und man durchaus in der Lage ist, als klassischer Sportverein ganz oben in einem völlig anderen Genre mitzuspielen. In der EU LCS kann man zwar noch nicht mit den Spitzenclubs mithalten, man übernimmt aber eine klare Vorreiterrolle und zeigt somit auf, dass die Sportclubs keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen sind oder gar den Sprung verpasst hätten. Anders sieht es schon im Bereich FIFA 18 aus. Hier sind bereits heute Spielertransfers an der Tagesordnung. Der bis dato namhafteste Transfer fand zwischen Schalke 04 und RB Leipzig statt, als die Sachsen 2017 den deutschen FIFA-Meister Cihan verpflichteten und ihn von Schalke abwerben konnten. So gelang es Leipzig, im Bereich FIFA von 0 auf 100 durchzustarten, denn mit dem amtierenden deutschen Meister kann man sicher sein, dass der Club sich auch in der eSport bzw. FIFA-Szene einen Namen machen wird.

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Entwicklung des eSport

Durch die zunehmende öffentliche Anerkennung, immer mehr Sponsorengelder, höhere Zuschauerzahlen und steigende Beliebtheit wird die Branche zunehmend auch für professionelle Teams interessant. Hierbei kommt immer mehr Geld ins Spiel, was sich auch eindrucksvoll an daran zeigt, dass eSport mittlerweile auch seitens der Politik als Sportart anerkannt wird. Diese Entwicklung führt natürlich auch unweigerlich dazu, dass sich Vereine mit viel Geld schnell und einfach in die Elite des eSport einkaufen können, indem sie ganze Squads übernehmen oder einzelne Spieler verpflichten, wie im Fall von RB Leipzig. Da unterscheidet sich der eSport kaum vom „echten“ Sport, denn hier ist es nicht anders, wenn man sich nochmal den 222 Millionen Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain – den mit Abstand teuersten Transfer der Geschichte – ins Gedächtnis ruft. Durch immer höhere Preisgelder wie zuletzt dem 18,5 Millionen Dollar Preispool bei den DOTA 2 Championships wird der eSport nicht nur für Investoren immer interessanter. Auf Kicker.de findet ihr eine schöne Übersicht über die Top-Preisgelder der verschiedenen eSport-Turniere. Bisher wurden die großen Turniere allerdings unter den hausgemachten klassischen Clans ausgetragen – Sportvereine hatten hier noch nichts mitzureden. Dies könnte sich in den kommenden Jahren durch das wachsende Engagement und zunehmende Übernahmen und Transfers aber ändern.

Erst im Januar 2018 engagierte die NFL einen eigenen Head of eSports, der für die weitere Entwicklung der eSport-Sparte der NFL zuständig ist. Auch die NFL plant die Gründung einer eigenen eSport-Liga. Noch geht es hier überwiegend um die EA-Sportspiele FIFA 18, NBA 2K oder auch die F1 Spielserie. Madden NFL ist hier der unweigerliche nächste Schritt und die amerikanischen Basketball-Proficlubs haben längst begonnen, eigene NBA Profis zu akquirieren, die sie im virtuellen Sport repräsentieren sollen. Trotz des späten Einstiegs der klassischen Sportvereine zeigt die Entwicklung, wie rasant sie die Welt des eSport beeinflussen und auch verändern können. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Geschrieben von
Michael, leidenschaftlicher Gamer und E-Sport Begeisteter. Auf gameyard.de schreibt er vor allem zu aktuellen PS4 und PC Titeln sowie diversen E-Sports Events. Wenn er gerade nicht am PC oder vor der Konsole hängt findet man ihn wahrscheinlich am Kickertisch.

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2 Kommentare

  1. Ein spannendes Thema. Ich find es spannend das einige Vereine sich dafür öffnen, der FC Bayern da jetzt aber einen Riegel vorgeschoben hat (obwohl sie ja ein NBA2k17 Team haben wenn ich mich nicht irre). Auch die Frage, ob eSports jemals olympisch wird finde ich spannend. Ich denke allerdings, dass die Diskussion die nächste Generation eSportler führen wird. Diejenigen die jetzt entscheiden, für die ist das Internet noch Neuland.

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    • Naja die Entscheider auf der eSports Ebene wären schon im richtigen Alter. Viele der Entscheider auf Seiten der Sponsoren etc. haben aber zu wenig mit eSport und Digitalisierung im allgemeinen am Hut. Wenn ich das mit dem Stand von vor 10 Jahren vergleiche ist das aber schon deutlich besser geworden. 😉

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