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The OA – Offenes Ende und große Enttäuschung [Rezension]

Mit der kryptischen Serie The OA wagt Netflix nach Stranger Things einen weiteren Schritt in Richtung Mystery. Ein Schritt, der völlig ins Leere ging. Im Nachfolgendem gilt eine Spoiler-Warnung für alle Inhalte und Handlungsstränge der Serie!

Die Tatsache, dass die Mysteryserie von Brit Marling stammt und sie zudem die Hauptrolle der Protagonistin Prarie Johnson übernimmt, lässt alle folgenden Inhalte in einem zynischen, kryptischen Licht erscheinen. The OA erzählt die Geschichte von der 28 Jahre alten Prarie, die sich zu Beginn der, 8 Folgen umfassenden, Serie von einer Brücke stürzt und überlebt. Prarie verschwand vor sieben Jahren spurlos. Doch nun, nach ihrem plötzlichen Wiederauftauchen, kann die ehemals blinde Prarie wieder sehen, doch ihr Rücken ist von Narben gezeichnet und sie hat offensichtlich traumatische Erfahrungen gemacht.

Prarie hat in ihrem Leben schließlich schon einiges mitgemacht: Die in Russland geborene Blondine aus einem reichen Elternhaus wurde von ihrem Vater in Eiswasser geschickt, hat bei einem Unfall auf dem Weg zur Schule alle ihre Freunde verloren, wird zu ihrer Tante geschickt, wächst unter Prostituierten auf, wird von vollkommen unfähigen Eltern adoptiert, die sie mit Medikamenten vollpumpen, und wird schlussendlich entführt und in einen unterirdischen Kerker gesperrt, wo Experimente an ihr vorgenommen werden. Diese vor Klischees triefende Story wird begleitet von nicht zu Ende erzählten Handlungssträngen und Unschlüssigkeiten, die bis zum Ende für reichlich Frustration sorgen.

Ungeklärt und unbeantwortet

Viele Dinge in der Serie bleiben unbeantwortet, ungeklärt und offen. Dies mag manch einer als taktisches Storytelling bezeichnen, in den meisten Fällen ist dies jedoch störend und lässt die Serie widersprüchlich und zäh wirken. So wird beispielsweise relativ früh in der Serie seitens Prarie darauf bestanden, dass alle Türen von ihren „Freunden“ offen bleiben müssen, wenn sie ihr helfen wollen und sich ihre Geschichte anhören kommen. Während der Serie sieht man jedoch regelmäßig, dass die Türen dennoch immer wieder, ohne Konsequenzen, geschlossen werden. In einem anderen Falle erschießt der Doktor seinen einzigen Freund, der anderorts anscheinend an denselben Forschungen wie er sitzt, und lässt dessen „Labor“ auffliegen.

Die Medienwirkung oder Parallelen zu Praries Fall jedoch werden niemals aufgegriffen, sondern einfach ignoriert. Eine Erklärung für all dies mag Praries Wahnsinn sein, demnach sie sich alles nur ausdenkt und den Zuseher einfach nur in ihre irre Gedankenwelt zu locken versucht.
Nicht damit entschuldigt werden kann jedoch beispielsweise Steve Winchells Flucht vor einer Erziehungsanstalt, wonach er einfach wieder in seine normale Schule gehen kann, ohne dass sich seine Eltern oder Lehrer daran stören. Diese diversen Unschlüssigkeiten lassen ein unbefriedigendes und frustrierendes Gefühl beim Zuseher zurück, der sich an den Kanten des nicht durchdachten Plots zunehmend stört.

Die Schauspieler und ihre Charaktere

Die Charaktere sind allesamt uninteressant und nichts sagend. Während der gesamten Serie gelingt es dem Zuseher nicht, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen. Die meisten Charaktere sind so unwichtig, dass ihre Existenz oder Entscheidungen nicht einmal begründet werden. Des Weiteren sind die Entscheidungen, die sie in der Serie treffen, vollkommen fern ab jedes logischen, menschlichen Denkens. Immer wieder schlägt man sich gegen den Kopf und verflucht die Dummheit der Charaktere, die immer und immer wieder auftritt. So viele Handlungsstränge in der Serie wären einfacher und besser verlaufen, hätten die Charaktere einfach wie normal denkende Menschen gehandelt. Obgleich die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten durchaus zu dem Stil der Serie passen, schafft es keiner der Darsteller, den Zuseher an seinen Charakter zu binden. Tatsächlich ist der einzige Charakter, der halbwegs interessant erscheint, Dr. Hunter Hap (gespiet von Jason Isaacs). Doch auch seine Charakterentwicklung wird an dem kritischen Punkt stehen gelassen und er wird aus der Serie radiert, ohne sein Wesen und seine Entscheidungen zu erläutern.

Hinzu kommt, dass Brit Marling die Serie selber erschuf und auch selsbt die Hauptrolle spielt, lässt sie selbstverliebt und unsympathisch erscheinen, da sie sich selber eine göttergleiche (bzw. engelsgleiche) Rolle zu schrieben versuch, die allen anderen Figuren imponieren soll.

Der Engels-Wahnsinn

Sei dem an dieser Stelle noch nicht genug, verliert die Serie den Rest ihrer Glaubwürdikeit, als Prarie Johnson der Idee verfällt, dass sie und alle ihre Freunde in dem Kerker Engel seien, die zu Größerem bestimmt seien. Um jedoch ihre Macht als Engel ausleben zu können, müssen sie immer wieder sterben und Tiere in den anderen Dimensionen essen, wodurch sie jeweils einen neuen (von insgesamt fünf) „Sätzen“ lernen. Bei diesen Sätzen handelt es sich um seltsame Tanz-Choreografin, die die Charaktere, wie im Wahn, ausführen und durch die sie magische Kräfte zu bekommen scheinen, mit denen sie unter anderem Menschen wiederbeleben oder unheilbare Krankheiten heilen können. Mit Hilfe dieser Tänze erhoffen sie sich ihren Weg in die Freiheit durch diverse andere Dimensionen.

Das Ende von The OA

Weder die Entführung Praries, noch das vermeintliche Schicksal ihrer Mitgefangenen, wird zum Ende hin erläutert. Der Doktor ist und bleibt verschwunden und kommt ungeschoren davon. Den Zuseher erwartet außerdem ein Plottwist: Die Geschichte Praries scheint völlig an den Haaren herbei gezogen zu sein. Prarie wirkt verrückt und es sieht so aus, als habe sie sich alles nur ausgedacht. Ein Indiz dafür sind unter anderem die Bücher, die einer ihrer Freunde am Ende in ihrem Zimmer findet.

Ebenso unangebracht und absurd spitzt sich die Serie noch einmal gegen Ende zu, als plötzlich – ohne jeglicher Erklärung – ein Amoklauf an der Schule ihrer Freunde stattfindet, der dann durch den (zum fremdschämen animierenden) Tanz der falschen Engel unterbrochen werden soll. Schlussendlich ist es aber doch ein Küchenjunge in der Caféteria, der den Amokläufer nieder reißt, womit die Engelstheorie noch lächerlicher gemacht wird, als es mit Sicherheit bereits der Fall sein sollte. Auch das Schicksal von Praries Vater wird bis zum Ende nicht erklärt und selbst von Prarie allem Anschein nach als unwichtig erachtet. Auch, dass ihr Therapeut am Ende in ihr Haus einbricht, verdient zum Schluss keine Erklärung mehr.

Schlussendlich wurde der Zuseher die gesamte Serie von den Drehbuchautoren angelogen und an der Nase herum geführt. Viele der Szenen erinnern mehr an Kammertheater, als an eine spannende Mystery-Serie, die selbst für ihr Genre zu viele Unstimmigkeiten und Unschlüssigkeiten zulässt. Die Geschichte ist langatmig und langweilig und die Dialoge sind zu philosophisch und liefern keinen Mehrwert – weder für die Story noch für den Zuseher. Die Charaktere sind fad und uninteressant und ab der ersten Folge, die durchaus noch Potenzial hatte, wird die Serie schnell zu einer Qual.

Wer sich von The OA nach Stranger Things eine neue, spannende Mystery-Serie ersehnt hat, wird mit dieser Serie bitterlich enttäuscht. Tatsächlich ist The OA eine der schwächsten Serien, die ich seit Jahren gesehen habe. Absolut nicht weiter zu empfehlen!

Geschrieben von
Vollzeitgeek, Motion Picture-Enthusiastin und Pixelfreundin Sarah ist mit dem Gaming aufgewachsen. Besonders gerne befasst sie sich heute mit RPGs, Adventure Games, Simulationen und Strategiespielen. Der Xbox One Controller und die PC-Maus sind dabei ihre stetigen Begleiter.

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1 Kommentar

  1. Ich kann diese negative Bewertung nicht teilen. Ich finde Staffel 1 war durchaus sehenswert und das Ende hat sehr viele Fragen offen gelassen, welche uns in Staffel 2 hoffentlich beantwortet werden. Potential ist auf jeden Fall da

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